hegewald 1933Hegewald im Jahre 1933Die Geister der Deutsch-Drahthaar-Freunde aber blieben wach und formierten sich gleich im ersten Nachkriegsjahr zu neuem Aufbruch und zur nahezu flächendeckenden Gründung regionaler Untergliederungen des Verein Deutsch-Drahthaar in den 20er Jahren, so wie es im Südwesten Deutschlands vor dem Krieg begonnen war. Es mag nicht ganz zufällig sein, dass zuerst im am weitesten gegenüber liegenden Grenzbereich, im Nord-Osten des damaligen Deutschlands die Deutsch-Drahthaar-Freunde bereits 1919, d. h. im ersten Nachkriegsjahr in Königsberg zum Gau „Osten“ zusammenrückten. Je weiter vom Zentrum entfernt, desto größer ist das Bedürfnis nach engerer Zusammenarbeit.

Die regionalen Untergliederungen wurden zunächst etwas uneinheitlich bezeichnet. Rasch aber war der „Gau“ der offizielle Name. Mancher Gau erfuhr eine weitere Untergliederung, die dann „Ortsgruppe“ genannt wurde.

Der Gau Mittelrhein umfasste zunächst etwa das heutige Rheinland-Pfalz, das Saarland und Hessen-Nassau. Die Mitglieder des alten Bereichs Hessen-Nassau schlossen sich zum größten Teil dem Gau Hessen nach dessen Gründung im Jahre 1922 an. Unser Gründungsvorsitzender war Amtsrichter Dr. Bartmann aus Wadern (heute Saarland). Die wechselvolle Geschichte des Saarlandes nach den beiden Weltkriegen - es stand jeweils unter französischer Verwaltung - hatte natürlich auch einschneidende Auswirkungen auf das Jagdgebrauchshundewesen in jener Region. Es sei vorwegnehmend daran erinnert, dass nach dem 2. Weltkrieg das Saarland erst 1957 wieder zur Bundesrepublik Deutschland kam. Folgerichtig entstand in dem Zusammenhang die Gruppe Saarland des VDD. Für das Jahr 1921 wurden in den „Mitteilungen“ für den Hauptverein 1085 Mitglieder angegeben, davon allein im Gau Mittelrhein 106, also fast 10%. Trotz politischer Repressionen seitens der Siegermächte, starker wirtschaftlicher Depression und sich geradezu überschlagender Inflationsentwicklung (1923) erfahren wir aus diversen Berichten von einer enormen Aufbruchsstimmung der 20er Jahre, die sich vor allem in lebhaften Prüfungsaktivitäten niederschlug.

hegewald 1937Hegewald im Jahre 1937Bemerkenswert ist die erste Herbstzuchtprüfung zusammen mit dem Gau Niederrhein (1920 gegründet), quasi als „Ersatz-Hegewald-Prüfung“, weil in den unter französischer Besatzung stehenden Gebieten den Menschen nach Leipzig zur 4. Hegewald-Zuchtprüfung keine Ausreisegenehmigung gegeben wurde... Die Prüfung fand am 28./29.09.1923 in Urmitz bei Koblenz statt, wo Toni Reidel mit seinem „Othello vom Woltershof“ einen 1. Preis errang und dafür unter anderem 20 Millionen Mark bekam... Tief beeindruckend sind die Berichte aus jener Zeit, mit welchem Idealismus und welcher Anspruchslosigkeit die Menschen der gemeinsamen Sache anhingen, welcher uneigennützigen Gastfreundschaft sie aber auch an den Prüfungsorten seitens der Bevölkerung begegneten.

Die einschneidende politische Veränderung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 blieb auch für das Jagdgebrauchshundewesen nicht ohne Konsequenzen. Wir haben es aber den Jägern und Jagdhundemännern Ulrich Scherping und Friedrich Ostermann, beide damals im Reichsforstamt tätig, zu verdanken, dass ihr Einfluss es ermöglichte, das Jagdgebrauchshundewesen schließlich als mehr oder weniger eigenständige Organisation zu bewahren, es jedenfalls der zentralen Macht des „Reichsverbandes für das Hundewesen“ wieder zu entziehen und 1937 dem „Reichsbund deutsche Jägerschaft“ anzugliedern. So hat zumindest in fachlich-sachlicher Hinsicht auch der Verein Deutsch-Drahthaar die „1000 Jahre“ relativ gut überstanden.

1939 sollte das 25-jährige Bestehen der jetzt so genannten Bezirksgruppe Mittelrhein im Rahmen der hier unter der Leitung von Toni Reidel vorbereiteten 20. Hegewald-Zuchtprüfung gefeiert werden. Mit 223 Nennungen stand eine bisher nie erreichte Rekordzahl. Aber daraus wurde nichts. Der verheerende Zweite Weltkrieg begann und sollte die Welt in bis dahin nie erlebtem Maße verändern. Die Vereinsaktivitäten gingen bis 1945 auf Null.